• Marvin

Fahrradwerbung in Wiesbadens historischem Fünfeck: Mein Fahrerbericht

Es ist Anfang April, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und viele Leute schlafen noch ihren Rausch von gestern aus. Ich stehe hingegen kurz vor acht auf und mache mich bereit für meinen Einsatz auf dem Rad. Gestern war es zu windig, Böen von 50 km/h waren angesagt und der Kampagnentag daher verschoben. Heute können wir wieder fahren. Meine Fahrradklamotten liegen bereit und ich fahre mit dem Bus bis zum Fahrradlager.


Kurz nach acht bin ich da, Simon und Anas sind schon vor Ort und am Schrauben. Ich helfe noch bei den letzten Handgriffen und freue mich auf den Arbeitstag. Heute fahren wir für die ESWE Versorgungs AG in Wiesbaden. Die ESWE will ihre Ausbildungsangebote bekannter machen und hat Bikewerbung gebucht. Simon nennt so etwas gerne Out of Home Marketing Kampagne, für mich heißt es Radfahren und damit gutes Geld verdienen.


Wir fahren zunächst am Bahnhof vorbei und dann direkt ab ins historische Fünfeck. Das historische Fünfeck ist das Herz von Wiesbaden. Von der Rheinstraße im Süden bis zur Ecke Röderstraße und Taunusstraße im Norden, von der Schwalbacher im Westen bis zur Wilhelmstraße im Osten. Im Fünfeck liegen das Stadtschloss, das alte Rathaus, die Marktkirche oder auch die Heidenmauer. Besonders wichtig: im Fünfeck kann man shoppen gehen wie sonst nirgendwo. Und selbst in diesem Shopping-Traum stechen noch einmal besonders die Langgasse und die Wilhelmstraße, auch Rue genannt, hervor. Halb Wiesbaden ist am Wochenende im Fünfeck unterwegs. Hier kenne ich mich aus und hier sind wir heute unterwegs.





Zu meiner Freunde fahren wir heute im Team. Anas ist ein alter Hase, der genau weiß, wie man mit dem Rad und Anhänger umgeht. Laut eigener Aussage ist er für Simon letztes Jahr Fahrradwerbung in ganz Deutschland gefahren. Er studiert Automatisierung an der Goethe-Uni und ist ein entspannter und sehr sportlicher Kerl. Auf dem Rad bringt ihn nichts aus der Ruhe und wenn wir mal kurz anhalten, isst er meist Reiswaffeln und macht Witze. Nach den Fahrten geht er meist noch ins Fitness-Studio. Laut eigener Aussage will er nicht zu viel „Cardio“ machen, ohne richtig Pumpen zu gehen. Mal schauen, wie es mir nachher geht.


Heute ist besonders viel los in der Wiesbadener Altstadt. Es ist „Ostermarkt“. Unzählige Stände und Geschäfte sind über die Altstadt verstreut und wir mischen uns mit unseren Anhängern unters Volk. Nur fallen wir doch sehr stark auf. Ich bin froh, dass wir mit der kürzeren Version des Anhängers unterwegs sind. Das Banner ist zwar weniger groß, aber wir kommen dafür weitaus besser in den Menschenmassen durch als mit der größeren Version.


Wir bekommen sehr viel positives Feedback: zu unseren Rädern als Werbemedium, zur sympathischen Bannergestaltung und wir versuchen natürlich die Zielgruppe zu erreichen. Junge Leute, die sich für eine Ausbildung bei der ESWE entscheiden sollen. Im Laufe des Tages kommen wir immer wieder ins Gespräch mit Passanten. Ich selbst bin genau der richtige, um über zukünftige Ausbildungen zu reden. Vor Kurzem habe ich entschieden, dass mein Studium mir doch zu theoretisch ist, und ich werde diesen Herbst eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker anfangen. Ich bin also gleichzeitig Plakatbeweger und passender Gesprächspartner für die Passanten. Das ist definitiv ein Vorteil gegenüber normaler Plakatwerbung. Vielleicht sollte ich bei Simon doppelt abrechnen, oder zumindest über einen Bonus verhandeln. Mal schauen was er davon hält.


Mittlerweile ist es 17 Uhr, wir sind seit 8 Stunden auf den Beinen und machen uns auf den Rückweg. Ich habe den Tag genossen. Ein großer Unterschied ist natürlich, dass ich normalerweise schneller unterwegs bin. Während ich beim normalen Radfahren meist versuche, möglichst schnell ans Ziel zu kommen, liegt bei Fahrradwerbung natürlich der Fokus auf etwas anderem. Wir fahren langsam genug oder schieben, sodass die Passanten auch genug Zeit haben das Banner zu bemerken und zu verarbeiten. Oder auch um uns Rückfragen zu stellen.


Fazit: Mit Bikewerbung haben wir heute extrem viele Menschen in der Wiesbadener Altstadt erreicht. Morgens waren einige noch auf Suche nach dem ersten Kaffee, aber ab 10:00 Uhr bekamen wir super Feedback von der Zielgruppe, also jüngeren Leuten die aktuell auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind bzw. sich vorstellen könnten, bei der ESWE eine Ausbildung zu machen. Ich bin zufrieden, aber auch etwas erschöpft. Anas geht jetzt noch ins Fitness-Studio.



Anmerkung von Simon: Es gab keinen Bonus für die Kommunikation mit Passanten. Das gehört bei uns zum Job dazu 😊